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Bonsai von Alejandro Zambra

Der Suhrkamp Verlag war so lieb und hat mir ein Exemplar von Bonsai geschickt. Bonsai ist ein Roman von Alejandro Zambra und besonders.

Wenn ich mir ein Buch kaufe, lese ich erst den Klappentext, dann die erste Zeile und wenn dann noch das Cover hübsch ist, steht es quasi schon im Regal. Den Klappentext findet ihr hier: Suhrkamp Verlag, das Cover ist hübsch: 

42480Und die erste Zeile ist ganz wunderbar: “Am Ende stirbt sie, und er bleibt alleine, doch allein war er schon mehrere Jahre vor ihrem Tod, vor dem Tod Emilias.”. Er heißt Julio. Im Grunde beschreibt das Buch zwei Liebende, die gerne miteinander schlafen und lesen. So kommt es eine Zeit lang vor, dass sie sich jeden Abend Texte aus der Weltliteratur vorlesen, um nach zweideutigen Stellen zu suchen. Sobald sie fündig werden, schlafen sie miteinander. Sie werden immer fündig. Im zweiten Teil des Buches geht es um den Verlust. Und auch das wird rührend beschrieben. Weitere Themen sind zwischenmenschliche Missverständnisse, Sehnsucht und die Einsamkeit. Und das alles im kunstvollen Gewand. 

Besonders gefiel mir die leichte Sprache. Es plätschert so daher, lässt sich leicht lesen und sehr viele Sätze habe ich zwei oder drei mal gelesen, weil sie mir so gut gefallen haben. Das Buch ist eine schöne Mischung aus Humor und Melancholie. Keine der beiden Seiten wird überreizt, das Leben der Protagonisten erscheint plausibel und die Höhen und Tiefen nachfühlbar und verständlich. Ich schreibe jetzt nicht, wie das Buch ausgeht. Das möchte ich nicht verraten. Das Buch hat 90 Seiten und ich kann nur noch mal sagen: Es hat mir außerordentlich gut gefallen. Es zeigt, wie einfach gute Literatur sein kann.

Danke an den Suhrkamp Verlag für das Exemplar, gerne wieder. 

In Kategorie: Text
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Themenblasen und Katzenbilder

Ich scrolle durch Facebook und treffe auf Verlinkungen, die zu klugen und wichtigen Texten führen. Ein Text führt zu einer Diskussion über Feminismus. Der Text danach handelt von der absurden Toleranzwoche in der ARD. Zwei Katzenbilder später lese ich einen Aufsatz über Flüchtlingspolitik. Alle gelesen, alle gut, alle wichtig. Mir kommt es immer so vor, dass jeder dieser Texte in einer eigenen Blase existiert und von den anderen Texten gar nichts weiß oder wissen will. Lange dachte ich, dass es auch gut so ist, nicht jeder muss alles vertreten, aber dadurch entsteht eine Situation, die ich falsch finde.

Mein Thema in den letzten Monaten ist der katastrophale Umgang mit Flüchtlingen. Ich könnte tagelang darüber diskutieren und mich aufregen. Tue ich auch. Aber dadurch vergesse ich, dass es noch andere Baustellen gibt, auf denen viel getan werden muss. Ich lese gerne, ich lese viel, aber sobald ich merke, dass eine Person nur ein Thema kennt und so tut, dass es das wichtigste auf Erden ist, schaffe ich es nicht, regelmäßig nachzugucken, ob ein neuer Text in der Pipeline liegt. 

Schön wäre es, wenn da ein größeres miteinander herrscht. Es gibt ohnehin viel zu wenig Menschen, die kluge Texte schreiben. Toll wäre es, wenn da eine solidarische Haltung zu erkennen ist. Wenn die Feministin den Text über Flüchtlinge teilt, der wiederum den Text über Toleranz und so weiter. Und am Ende findet der mit den Katzenbildern alle Texte in seiner Blase und denkt über die gelesenen Dinge nach. Das wäre doch schick. Das ist meine Vorstellung von moderner Informationsverteilung. Dafür braucht man kein neues Netzwerk, sondern einfache eine andere Einstellung und das Denken: „Mein Thema ist wichtiger als dein Thema!“ muss aus den Köpfen verschwinden. 

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Der Buchladen

Klüger wäre es, mit wiederkehrenden Träumen zum Therapeuten zu gehen, anstatt sie in ein Blog zu schreiben. Aber man muss ja nicht immer klug sein.  

Letzte Nacht war es dann wieder soweit. Zum dritten mal innerhalb eines Monats, träumte ich die selbe Episode. Zu sehen war wieder die gleiche Perspektive in meiner Stadt. Wenn mich nicht alles täuscht, müsste ich dort gestanden haben, wo in echt ein schrulliges Café ist. Aber das spielte im Traum keine Rolle, viel wichtiger war es, worauf ich geblickt habe: Einen kleinen, noch viel schrulligeren Buchladen. Das besondere daran: Er gehörte mir. Auf dem Bürgersteig vor dem Laden stand ein Schild, auf dem ein Spruch stand: “Die Bücher hier kosten zwar 1 Euro mehr als da hinten. Aber sie sind auch viel besser.” Für einen pfiffigen Werbespruch viel zu lang, aber nun ja.

Eine kleine Treppe führt vier Stufen hinab in einen kleinen Kellerladen, durch den man nicht blicken kann, weil die Bücher die Sicht versperren. Links, rechts, oben, unten, Bücher. Eine kleine Theke und ein rostbraunes Sofa, das war’s. Und ich eben.

Der Einzelhandel ist mein größter Albtraum. Aber einen kleinen, liebevollen Buchladen – damit könnte ich mich anfreunden! 

In Kategorie: Text
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Maßschneiderei

Manchmal glaube ich, ich könnte so aus dem Stehgreif eine Maßschneiderei eröffnen. So oft habe ich schon die perfekte Passform für mich gefunden und mich wie ein Salamander angepasst – ich war deckungsgleich mit der Masse, kaum zu erkennen. Ich war so gut darin, dass ich mich selbst irgendwann nicht mehr erkannt habe. Oder erkennen wollte. Dann ist es ratsam, den Rückzug zu wählen, um zu prüfen, wie es weiter gehen soll. Man kehrt dann zu sich und erkennt sich wieder langsam. Man sammelt neue Energie – aber wofür genau?  Um wieder ein neues Kostüm zu schneidern, um eine neue Rolle anzunehmen? Denn die wartet ganz sicher da draußen. Oder einen neuen Versuch starten, um etwas länger beim Ich zu bleiben und um endlich eine geeignete Nische für sich zu finden. 

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Leben

Haltestelle im Dunkeln.Beginnen wir von vorne. Man wird geboren. Dann lebt man. Die einen sind mit mehr Glück auf den Wegen unterwegs, andere hingegen tragen Ballast mit sich herum. Was, auch wenn es sich im ersten Lesen negativ andeutet, eine Bereicherung sein kann. So schöpft mancher aus dem täglichen Drama seinen Ansporn und Talent zur Kreativität. Der Glückliche ist glücklich, das ist, was er hat, das ist er, aber meistens hat er das Streben verloren, was beim Unglücklichen die Hauptmotivation zum Aufstehen ist. Ich kann nicht beurteilen, welches Leben sich besser anfühlt. Ich kenne nur meins.

In Kategorie: Text
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Betonklotz

Die weißen Betonklötze fallen schon ins Blickfeld, ehe man in der Stadt ist. Viel Bezug zu den Plattenbauten da habe ich nicht. Diese gerüchteumwogenden Gebäude waren immer da, wenn ich zu meinen Großeltern oder zum Markt gefahren bin. Meine Großeltern sind schon lange tot. Und der Markt ist heute ein unbedachter Ramschladen, den meine Großeltern nicht wieder erkennen würden.

Grau.

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Fremd

Unter Menschen fühle ich mich am meisten fremd.

Die Fülle der Details überfordert mich. Die pompöse Bahnhofsuhr tickt. Automatische Schiebetüren öffnen sich, hinterlassen ein kaum hörbares Zischen und ein paar Tauben gurren in die morgendliche Leere.

Und dann das Treiben der Menschen: wie eine Kolonie von Armeisen, im unterschiedlichen Tempo, aber doch so gleich. Und jeder mit seiner eigenen Geschichte im Nacken. Manche wirken davon verfolgt, Andere beflügelt, heute werde ich keine dieser Geschichten erfahren. Ebenso wenig wie sie meine.

Ich gehe.
Mir fällt auf, wie oft ich Passanten ausweichen muss, um sie nicht anzurempeln. Die Fugen zwischen den einzelnen Waschbetonplatten am Vorplatz sind Hilfslinien für den geraden Gang. Ich konzentriere mich darauf, die Fugen nicht zu übertreten. Fast spielerisch, ein Spiel, welches keinen interessiert, nicht mal mich selbst.

Hinter mir alles. Vor mir nichts.

Dämmerung

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Ich habe Into the wild gesehen

Into the wild. Ein toller Film.

Das Jahr geht dem Ende zu: endlich etwas mehr Zeit für Filme und Serien. Als letztes habe ich Into the Wild gesehen. Ein toller Film über Selbstfindung, Abenteuer und Verlust. Der Unterton ist durchweg leicht melancholisch, ab und zu ist es aber auch lustig und oft traurig. Mir hat die Idee und die Aussage des Films total gut gefallen.

Also: Filmtipp!

In Kategorie: Film