Eine misslungene Geiselnahme

„Das Lösegeld beträgt 5 Euro. Keine Tricks und nur kleine Scheine!“ erpresse ich geschickt. Ich bin noch nicht lange hauptberuflich Ganove, aber es war schon immer mein größter Traum, ein schlimmer Finger zu sein. Es war nicht einfach, so zu werden wie ich heute bin. Die Agentur für Arbeit hat keine all zu große Auswahl, um seine kreative kriminelle Energie auszuleben. Und in einer Bank wollte ich nun wirklich nicht arbeiten, auch wenn der Vorschlag nur gut gemeint war.

Paradoxerweise stehe ich jetzt trotzdem in einer Bank und gehe meinen Dingen nach. Lösegeld kann man nur fordern, wenn man ein Druckmittel hat. Mein Erpressungsgegenstand ist eine Kundin der Bank. Zumindest war sie es bis eben, jetzt kann ich sie nicht mehr sehen… dass ist aber auch alles schwierig mit der Gaunerei. Als die junge Frau gefragt hat, ob sie mal eben auf dass Klo darf, konnte ich ihr diesen Wunsch einfach nicht verwehren. Komisch ist nur, dass sie zum Ausgang raus ist und nicht Richtung Toilette spaziert ist. Nun ja, sie wird schon wissen, was sie da tut. Jetzt stehe ich alleine vor dem Tresen in einer ziemlich großen Bankfiliale und weiß nicht so recht, was ich tun muss. Alle bisherigen Überfälle habe ich mit Lego-Figuren simuliert, da habe ich aber immer gewonnen und lag am Ende mit viel Geld auf gelben Lego-Steinen.

Ich weiß auch nicht, vielleicht hätte ich auf den Tipp meines Vaters hören sollen und wäre doch besser Surflehrer in Bottrop geworden. Wie er immer gesagt hat: „Dat Meer is‘ hier zwar nich, aber englisch tun die Blagen auch inne Schule lernen, obwohl se nicht in England sind, also kannste auch Surflehrer in Bottrop werden.“. Leider kann ich nicht mal schwimmen, also nicht so gut, beim Seepferdchen-Abzeichen habe ich etwas gespickt.

Fortsetzung folgt. Also vielleicht.

Enrico Sandri

Enrico Sandri.

Die Fachzeitschriften waren begeistert. Die außergewöhnliche Kunst von Enrico Sandri war so anders als normal. Diese Farbauswahl, die so untypisch und frisch wirkte, kaum einer hatte so etwas schon ein Mal gesehen. Eine Sonne war plötzlich grün oder blau, ganz selten sogar gelb. Die Wiese wirkte trotz der roten Farbe recht knackig und echt, die braunen Wolken hingegen gewollt drückend. Enrico Sandri wurde nie danach gefragt, vielleicht um das Geheimnis seiner Kunst aufrechtzuerhalten. Bis ein findiger Journalist die sich aufdrängende Frage stellte: „Herr Sandri, warum eigentlich diese ungewöhnliche Farbauswahl?“. Der grauhaarige Künstler wirkte etwas irritiert, antwortete aber durchaus erstaunlich: „Ach das. Ich bin Farbenblind.“.

Das Eckige muss ins Runde

Der Ball hat 90 Minuten und ein Spiel ist rund.

Mittlerweile sind ein paar Tage seit dem furiosen, nie da gewesenen, unfassbaren Champions League Finale verstrichen. Kurz vorweg: Ich liebe Fußball, Menschen die mich kennen, wissen das. Nur habe ich eine sehr spezielle Sicht auf den Sport des Lederballs.

Immer, wenn es einen „Hype” gibt, nehme ich reflexartig Abstand von dieser Sache – weil ich diese plötzliche und oft übertriebene Aufmerksamkeit nicht so richtig nachvollziehen kann. Keine Frage, so ein Champions League Finale ist ein großes „Event” (wieder so Wort, wo ich ein Problem mit habe… ich bin aber auch schwierig) und ist deswegen ein Leckerbissen für… Bayern… Deutschland… ach was sage ich: Die ganze Welt!

Continue reading

Nicht weiter wissen

„Wenn ich noch länger in der Fußgängerzone sitze, wächst mir bestimmt eine Panflöte.“ dachte ich. Ich sitze auf einer Parkbank in der Stadt und weiß nicht mehr weiter. Ich sitze, um für das Gefühl vom „Nicht-weiter-wissen“ eine bildliche Form zu schaffen. Den psychisch Problemen eine metaphorische Parkbank geben… meine Deutschlehrerin wäre Stolz auf mich. Die Bank, auf der ich sitze, ist vergilbt, ein eingeritztes Herz schimmert durch ein paar hässliche Graffiti-Schmierereien und die bräunliche Farbe blättert immer weiter ab. Die Menschen um mich herum laufen, die einzigen, die sich in den letzten paar Stunden hingesetzt haben, waren 7 Männer, die auf ihre Liebste gewartet haben, 4 Frauen, die auf Männer in Elektronikgeschäften gewartet haben und 6 Tauben, die einfach nur gerne mal sitzen. Ich finde es spannend, Menschen dabei zu beobachten, gerade dann, wenn sie so tun, in Eile zu sein. Über den Kopf der jungen Frau mit gigantischen Kopfhörern könnte jetzt im Comic eine Gedankenblase aufpoppen, in der „OH GOTT, ICH MUSS MICH BEEILEN… denn wenn ich einen Bus später nehme, verpasse ich den Anfang von Berlin Tag und Nacht.“ stehen würde. Was natürlich schrecklich wäre und deswegen drücke ich ihr die Daumen. Ich kenne zwar „Berlin Tag und Nacht“ nicht, aber meine Fernsehzeitung (also die App, die so tut, eine Fernsehzeitung zu sein) beschreibt es in wenigen Worten so, dass ich nicht zwei mal überlegen muss, um nicht einzuschalten. Sie beschreibt es mit: „Dokusoap“.

Ich weiß immer noch nicht weiter. Aber das ist auch ganz gut so, also denke ich, vielleicht ist weiter wissen auch nicht das, was zu mir passt. Schließlich geht es mir ja gut. Und los muss ich auch jetzt, sonst verpasse ich noch den Anfang von „Guten Zeiten, schlechte Zeiten“ und das wäre nun wirklich nicht okay.

Nach Hause gehen

Beim überfliegen der Tageszeitung eine Todesanzeige gelesen, die mich morgens um 6:30 irgendwie nachdenklich gemacht hat. Dort stand: “Ich habe meine Aufgabe erfüllt und bin nach Hause gegangen.” Ich fand die Formulierung schön, wenn auch ungewöhnlich. Welche Aufgabe? War ihr Leben die Aufgabe und wo genau liegt dieses zu Hause? Fragen kann ich Sie nicht mehr, aber jetzt haben wir 14:10 und ich denke immer noch über ihre Wortwahl nach.

Pfand gehört daneben

Pfand gehört daneben. Für mich war dies immer alltäglich, trotzdem war ich nicht überrascht, dass es viele nicht so machen. Wenn ich in der Stadt oder sonst wo bin, etwas getrunken habe, stelle ich die Flasche oder die Dose neben den Mülleimer. Das tut mir nicht weh, vielleicht muss ich dabei etwas mehr in die Knie gehen als wenn ich es in den Mülleimer werfen würde, aber damit komme ich klar. Pfandsammler haben sicher kein Leben, womit wir tauschen wollen, daher können wir versuchen, es etwas einfacher zu machen. Mir tut es immer unendlich leid, wenn ich jemanden in einer Mülltonne rum wühlen sehe – würde einfach jeder sein Pfand daneben stellen, wäre wenigstens diese Demütigung nicht mehr da.

Die Aktion stammt nicht von mir, ich wollte nur ein paar Worte dazu verlieren. Wer mehr darüber erfahren möchte, hier entlang: Pfand gehört daneben! 

Interview mit Pokerbeats

Ein neues Interview! Lange ist es her. Heute freue ich mich, dass Interview mit @Pokerbeats veröffentlichen zu können. Er lebt in Berlin, twittert und produziert beruflich Beats für Rapper und andere Musiker. Viel Spaß beim Lesen und Hören.

6883a203dc510a5abd3d736b4a445f44

Vorab: Cool, dass das Interview zu Stande gekommen ist. Freut mich. Wenn ich etwas falsch erzähle, korrigiere mich bitte. Du produziertet Beats. Hip Hop Beats. Das ist dein Beruf. Richtig? Wie bist du denn daran gekommen? Und stell dich doch mal kurz vor.

Hi, ich heiße Christian, bin 28 und lebe seit fast 3 Jahren in Berlin.

Ja, ich bin Komponist und Musik-Produzent. Ich mach das inzwischen 12 Jahre. Außerdem bin ich noch Texter und Redakteur im Social-Media-Bereich für eine Berliner Software Firma. Das ist ein ganz guter Ausgleich.

Zur Musik bin ich eigentlich aus Langeweile gekommen. Ich bin in einem kleinen Dorf in Bayern aufgewachsen. Außer Fußballspielen gab es da nicht viel. Für die Freiwillige Feuerwehr hatte ich nicht’s übrig und der Burschenverein hat mich auch nicht interessiert. Ich hab mir, zusammen mit einem Freund, von meinem Ersparten einen Computer gekauft und angefangen Musik zu machen. Nach ein paar Jahren habe ich dann gemerkt, dass ich nicht rappen kann. Seit dem komponiere und produziere ich nur noch ;-) .

Continue reading

Prinz Pi – Kompass ohne Norden

Foto 19.04.13 17 38 52Ein Schallplattencover ist etwa 31,5 x 31,5 Zentimeter breit und lang. Dies ist ein recht markantes Format und daher habe ich ohne lange zu überlegen die dünne Lieferung der Post erkannt. Prinz Pi – Kompass ohne Norden. Auf Vinyl und CD. Ich kaufe nur noch selten Musik als festes Element, eigentlich nur dann, wenn ich tatsächlich begeistert bin. Prinz Pi hatte schon viele Namen, interessant habe ich ihn schon immer gefunden, aber “Fan” würde ich mich erst seit  ”Neopunk” bezeichnen. In “Hallo Musik” habe ich ein Album gefunden, dass ich eigentlich immer hören konnte und es auch lange getan habe. In den Geschichten, die dort erzählt wurden, konnte ich mich oft wiederfinden. “Trümmer” ist 4 Minuten und 11 Sekunden lang und vielleicht mein Lieblingslied. Nicht nur, weil 2 mal die TV-Serie Lost eine Rolle spielt, aber dies hat mich beim ersten mal hören so gefesselt, dass ich direkt zu der Stelle zurückspulen musste. Also Herr Pi, wenn Sie mal über Lost reden wollen, ich hab alle Folgen auf Blu-Ray, ist also kein Problem. Aber nein, das Lied spiegelt so viele Gedanken von mir wieder. Gerade diese, wie schön es wäre, wenn ein bisschen von der ganzen Fantasie zur Realität werden würde. Wird sie ja, also zumindest in der Musik.

Jetzt also “Kompass ohne Norden”. Ein Titel, den ich faszinierend finde und mir so bildlich vorstelle, dass ich ihn mir am liebsten tätowieren lassen würde. Das Album ist rund und intelligent. “Dumm” ist im Moment mein Highlight auf dem Album, aber dass kann sich ja noch ändern. Casper als einziges feature ist sehr gut gewählt, wie ich finde, weil das Album sehr persönlich wirkt und durch zu viele Gäste vielleicht von dieser Persönlichkeit verlieren würde.

Foto 19.04.13 17 39 08

Das Plattencover, Innenleben und die CD sind wirklich total schick – Dies sind aber nur eine angenehme Randnotizen. Wo man es kaufen kann, wisst ihr ja.

So viel nun dazu. Schönes Wochenende.

Stimmt schon krass ja

Ich nippe am Coffee-To-Go, verbrenn mir die Zunge und scrolle durch meine Timeline, währenddessen läuft an mir meine Traumfrau vorbei, die ich aber übersehe, weil ich gerade eine ultra-wichtige Whats-App-Nachricht bekommen habe.

Der Satz hier eben ist so verbaut wie die ehemalige Lieblings-Ecke aus meiner Kindheit. Wo früher ein kleiner Kiosk stand, steht heute Nagel-Design-Studio. Die Eisdiele ist auch weg, jetzt steht am selben Ort ein McDonalds’s. Auf der Parkbank neben mir kommentiert man die Vorfälle aus Boston mit einem alles und nichts sagenden “Stimmt, schon krass, ja.” und ich gehe weiter.

Ich komme zu Hause an, die Post war da. Ich habe jetzt das und bin glücklich. Danke @brackarawr!

Foto 16.04.13 14 37 05

 

Ach. Ich habe noch eine Facebook-Seite. Ich weiß ehrlich gesagt, nicht so genau, warum. Aber ich habe sie. Falls ihr sie liken wollt, finde ich das natürlich total toll und vielleicht passiert dann dort auch mal mehr. Hier klicken!